[Kneipen] Ruine (Berlin)

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In den 1970er bis Mitte der 80er Jahre besaß die “Ruine” in Berlin(West) Kultstatus. Mensch musste schon einiges getankt oder geraucht haben – oder den Vorsatz haben, dieses innerhalb kürzester Zeit nachzuholen –, um sich dort wohlzufühlen. Aber dann war es klasse!

Alkohol, bewusstseinserweiternde Rauschmittel und menschliches Anpassungsvermögen ließen dort eine gutbürgerliche Herkunft innerhalb kürzester Zeit vergessen. Was zunächst eine Herausforderung war – herumfliegende Biergläser und -flaschen, Bierlachen, Ausdünstungen aller Art, Pogo usw. – wurde schnell “normal”, mittendrin statt nur dabei. Die von diesem “offenen Konzept” ausgehende Faszination lockte Leute jeglicher Couleur an, im wesentlichen aber aus dem linken Spektrum. Der Teil Schönebergs um Winterfeldt- und Nollendorfplatz war eine Hochburg der (Grün-)Alternativen Liste, die hier zeitweise mehr als 50 % der Stimmen hatte.

Die "Ruine" in Berlin am Winterfeldplatz 1981

Die “Ruine” in Berlin am Winterfeldplatz 1981: Der Gedanke an Schultheiss-Bier allein verursacht bei mir schon höllische psychogene Kopfschmerzen, dazu noch der Gedanke an diese Kneipe und ich liege drei Tage flach. Credit: Timeline Images/xingxeng

1957 erhielt die Gastwirtschaft in der Gleditschstraße 9 am Winterfeldtplatz in Schöneberg Schankerlaubnis. Das Haus war im Krieg schwer zerstört worden und wurde nicht wiederaufgebaut. Nach und nach wurden die Wohnungen des Hauses besetzt, einige erhielten Duldungsverträge, andere Mietverträge. Im weiteren Verlauf gründeten die Bewohner einen Verein, um ihre Interessen gemeinsam vertreten zu können.

Kneipe und Hausprojekt fanden 1986 ein Ende, nach dem Abriss der Brandschutzmauer musste das Haus verlassen werden, das Haus stand leer und verfiel weiter. Nach einem Brand 1997, den die Feuerwehr angeblich nur halbherzig versuchte hat zu löschen, wurde es abgerissen. Ein paar Jahre später entstand auf dem Gelände ein Spielplatz, mit terrassiertem Park, Sitzecken, Boule-Bahn usw. 

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14 Kommentare zu [Kneipen] Ruine (Berlin)

  1. Ladewig sagt:

    Ich bin im Haus groß geworden. Anfang 1950. Mein Vater war Hauswart. Die Wirtsleute hießen damals Resselbauer und ihr Sohn war Catcher. Schön war wenn im Sportpalast gekämpft wurde, dann kamen die Catcher in die Kneipe Es war immer schon für mich Schokolade und sonstige Sößigkeiten.

  2. Norbert sagt:

    Wer kennt ihn noch, den Drink “Seelenfrieden” (0,2 Ltr. mit einem Gemisch aus hochprozentigem Alkohol), die dicke Dame,die für einen Drink auf dem Tisch tanzte, Barbara, Haase und Jürgen aus Groningen. (Stammgast von 1983)

  3. regine adams sagt:

    es war ne geile zeit-war dabei wer kennt klaus mausewolf +katzenpeter?peter bist du marshall?

  4. Jo sagt:

    Fünf Jahre Ruine Event, Jo als blond gelockter Zapfer, Aufräumer, Künstler, darüber gibt es das Buch: Ruine
    https://www.buchhandel.de/buch/Ruine-9783741840845

    • Roger sagt:

      War auch Zapfer in der Zeit mit Jo und Heinzi,
      unvergesslich die schule fürs leben mit electric light, etc

  5. Paul sagt:

    Aber es wurde nass abgespielt – mit einem Schuss Dreckwasser aus dem Spülbecken

    • Joachim sagt:

      Exakt. Nass abgespült. Ein Fünftel widerwärtige Brühe aus dem Spülbecken und beim Zusehen war der Durst bereits verschwunden. Aber zum Casablanca(?) in der Pallasstraße war es ja nicht weit!!

  6. hpeter sagt:

    ja war lustig da

  7. Körmel sagt:

    yep Samstagabend inne Urine, mit dem Kopf voll Mescalin oder Shitoel, ner Nase voll mit Buletten, altem Bier unn Pisse Geruch unn den Ohren voll Zappa oder Hans Albers konnte Mann am besten Wessi Damen abschleppen “Freak out”

  8. lll sagt:

    …und oben hat es reingeregnet…

    • wolf sagt:

      Das war doch gemütlich wenn es in 20 Eimer die überall herumstanden reingetropft war,
      besonders wenn der dortige Kanonenofen, oft gewartet von einem alten Mütterlein aus dem Haus zum glühen gebracht wurde………….

      • Mikesch sagt:

        evtl.kannst du dich auch noch an Rudi erinnern ?! Er Stand mit seinem Schwarzen Zylinder vor der Tür und wir Kauften unseren Stein bei ihm.
        man was für eine Geile Zeit !!!

        • Peter sagt:

          … An der Decke klebten viele Teebeutel, die die Gäste mit Schwung dahin befördert hatten und die dort angetrocknet waren … Ruine war um 1984 auch das Heim einer Rockergang, die keine Motorräder hatten – wie hießen die gleich noch?

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