Diät wider Willen

Ute GerhardtUte
Moment, ich setz mich gleich wieder hin. Lasst mich nur noch eben einen großen Kakao bestellen. Mit Sahne drauf!

So, fertig. Der Kakao musste jetzt sein. Zu Hause habe ich nämlich fettarme Milch im Kühlschrank stehen, aber glaubt mal nicht, dass ich die absichtlich gekauft hätte. Das war eher ein Unfall; ich hab’ das erst zu Hause gemerkt, dass es keine Vollmilch war. Es ist ja mittlerweile schon zu einer Herausforderung geworden, noch normale Produkte zwischen all dem Diätkram im Supermarkt zu finden. “Slim”, “Diet”, “Low Fat”, “No Fat”, “Fettarm”, “Du Darfst” – was soll das? Ich greif’ nach Milch und erwische sowas. Ich greife nach Butter und habe stattdessen irgendsoeinen Joghurt-Hybrid-Matsch in der Hand. Ich suche gescheiten Käse und mir wird selbst an der Theke noch fettreduzierter Kram empfohlen. In England habe ich schon vor zwanzig Jahren vergeblich versucht, ganz normalen Sahnequark zu kaufen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Inzwischen findet man den selbst hier nur noch nach längerem Suchen. Von den ganzen Süßstoffen oder gar Stevia statt Zucker fange ich mal lieber gar nicht erst an. Die kommen noch dazu.

Mal ehrlich: Ich mag das Zeug nicht. Mir kann man erzählen, was man will, aber fettreduziertes Essen schmeckt anders bzw. subjektiv schlechter und hat auch eine andere Haptik im Mund.

Worin liegt überhaupt Sinn und Vorteil von all den fettreduzierten Lebensmitteln? Mein Verdacht ist ja, dass sich die Konsumenten damit selbst betrügen. Wenn ich sowas essen muss, weil nichts anders da ist, esse ich persönlich automatisch mehr. Nicht weil es schmeckt, sondern weil der Fettarm-Kram einfach auch nicht so satt macht. Im Endeffekt ist die Gesamtmenge an konsumiertem Fett dann wahrscheinlich genauso hoch, als hätte ich gleich normale Lebensmittel gegessen. Nur geschmeckt hat’s nicht so gut und teurer ist es oft genug auch noch.

Kauft ihr sowas? Esst ihr sowas? Wenn ja, warum?

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Für mich (physiologisch unbeleckt, aber wissenschaftshistorisch interessiert) war ja dieser Vortrag hochinteressant:
Gary Taubes – Why We Get Fat
Grob zusammengefasst: Fettreduziert zu essen sei Humbug, weil Fett nicht in Fettzellen eingelagert werde, solange nicht genug Zucker verfügbar ist. Wenn Fettreduziertes mehr Zucker enthält (was erstaunlich häufig der Fall ist und trotzdem als “light” verkauft wird), dann mache das eher fett als schlank. Die englische Wikipedia bietet eine knappe Zusammenfassung von Taubes’ Position.
Die nächste Frage muss dann natürlich nach Zuckerersatzstoffen gehen, aber von denen sollten wir wirklich nicht anfangen. Mein laienhafter Eindruck: Es gibt widersprüchliche Studien wie früher im Margarine/Butter-Streit. Und wie damals sind die Studien alle nicht zuverlässig, sondern von den jeweiligen Herstellern bestellt.

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5 Kommentare zu Diät wider Willen

  1. Reinhold sagt:

    Naja, Fett ist ja auch ein Geschmacksträger.
    Merkt man wenn man mal einen Salat mit Kräutern etc, aber ohne Öl oder was anderem fetthaltigen wie Joghurt anmacht.
    Das ist vermutlich ein Grund warum Fettarmes nicht oder fad schmeckt.
    Ich selber kaufe eigentlich nichts was fettreduziert ist und bin auch nicht dicker als Andere ;)

  2. Ich kaufe so etwas auch nicht (gezielt). “Gezielt” steht in Klammern, weil man es nicht immer verhindern kann. Ich hatte schon mal “du darfst”-Salami in der Hand, ein Freund, der dabei war, fragte mich “Hast Du das denn nötig?”. Mir war es gar nicht aufgefallen. Als ich nochmals in das Regal geschaut habe, stellte ich fest, dass dort “du darfst” neben Weightwatchers und weiteren als fettreduziert angepriesener Wurst lag.

    Leider kann ich nicht sagen, bei dem Thema einen Durchblick zu haben. Alles was man so liest, scheint widersprüchlich zu sein. Ob man jetzt auf das Fett, (gesättig oder ungesättigt) auf den Zucker, Kalorien oder Vitamine achten muss, da scheiden sich die Geister. Da kann ich von Glück sagen, dass ich essen kann, wie es mir gefällt, ohne zuzunehmen.

  3. @Mschfr sagt:

    Die eigentlich relevante Messeinheit ist immer noch der Kaloriengehalt – und da sind die fettfreien Produkte meistens genauso mies wie die mit Fett. Der Kaloriengehalt von den 1,5% mehr Fett pro Liter Milch ist nämlich absolut zu vernachlässigen. Rechnen wir das mal aus: 1 Liter Milch bei 3,5% Fettgehalt enthalten 35gr Fett. Die 1,5er Variante dann 17,5gr. 1gr Fett hat 9 kcal, ich spare auf den Liter Milch also 157 kcal. Das klingt nach viel, das ist aber noch nicht mal der Kaloriengehalt eines Bieres. Selbst, wenn ich also nicht mit unglaublich viel Zucker Geschmack nachsüße, bringt mir das recht wenig – ich verbrauche täglich irgendwo zwischen 2500 und 3000kcal.

    Der fettarm Trend wird aber in der nächsten Zeit verschwinden – momentan sind ja gerade diese ganzen Keto- und Low Carb-Diäten der große Trend, bei denen man dann möglichst viel Fett und Protein futtert, aber eben wenig Kohlehydrate. Freut euch auf die Produkte mit extra viel Fett!

  4. amphibol sagt:

    Ich amüsier mich immer wieder über die Aufrschiften auf meinem Morgenmüsli “fat-free” oder so. Und dann hau ich mir Sahne drüber…

  5. Soziobloge sagt:

    Bei dem Thema kann ich der Terrorzicke nur zustimmen. Ich habe mal einen Trinkjoghurt gesucht und ich fand nur Fettreduzierte. Die Produkte unterboten sich gegenseitig im Fettgehalt. Das Zeug schmeckte wässrig und eklig süß. Um den Fettgehalt auszugleichen wird nämlich meist mehr Zucker reingetan. Der Diäteffekt ist da meiner Meinung nach ziemlich 0. Für mich ist dieser Diätwahn eh ein Problem, da ich eher zunehmen möchte. Daher meide ich solche Sachen.

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