Kluger Hans war klug

Der Kluge Hans, ein Pferd der Rasse Orlow-Traber, erlangte an der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert Weltruhm, er fand sogar Eingang in Form des “Kluger-Hans-Effekt” in die Tierpsychologie. Auf einfache Rechenaufgaben antwortete das Pferd mit hoher Wahrscheinlichkeit korrekt, entweder mit den Hufen oder mit dem Kopf.

Hans [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hans_1910.jpg]

Der Orlow-Traber Hans (~1895 – ~1916)

Auf zum Beispiel “Was ergibt 3 plus 6?” antwortete Hans mit neunmaligem Hufklappern. In der Folge stellte dann aber eine hochkarätig besetzte Wissenschaftler/innen-Kommission fest, dass Hans gar nicht rechnen kann. Das Rätsel wurde später gelüftet: Das Pferd war in der Lage, feinste in Körpersprache, Mimik und so weiter der menschlichen Gegenüber wahrzunehmen. So registrierte Hans feinfühlig die steigende Spannung im Publikum vor dem entscheidenden Hufklopfer. Noch einen Klopfer dazu und das Pferd hatte in der Regel die richtige Antwort.

Was bringt mich nun dazu, diese Geschichte hier in der Kneipe kurz zu erzählen? Klar: Kommunkation! Der verbale Anteil der Kommunikation ist hier gering und wenig entscheidend, wesentlich ist die nonverbale Kommunikation mit Gestik, Mimik, Körpersprache, Gesichtsausdruck und so. Das ist etwas, was mir bei der digitalen Kommunikation, so effizient und bequem sie auch sein mag, fehlt. Es fehlen wesentlich Teile von Taktilität, Körperlichkeit, also die Mehrschichtigkeit und Multidimensionalität der menschlichen Wahrnehmung. Wie kann ich digitales Schweigen “richtig” interpretieren?

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2 Kommentare zu Kluger Hans war klug

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  2. KarlRainer sagt:

    Bei Pferden komme ich ins schwärmen. War mal Tierpfleger (60-er Jahre).
    Einen angreifenden Bisonbullen (im Zoo) kann man mit einer Schaufel überlisten – ein Pferd nicht.
    Einen nervösen Araber zum Beispiel – äh – das Pferd meine ich, kann man mit Musik für
    sich gewinnen. Und Telephatie.
    Und das geht so:
    Man nähert, im Stall, sich mit beruhigendem „hoooo…“ dem nervös reagierenden Tier bis der Kopf erreicht ist. Diesen zieht man sachte ein wenig zu sich hin und summt ihm dann eine langsame ausgeglichene Melodie ins Ohr. Dieses richtet sich zögernd von seiner zurückgelegten Lage nach vorne und bleibt auch da. Während des Summens denkt man ein eine herrliche sonnendurchflutete Wiesenlandschaft und wie das Pferd darin umhertollt.
    Wenn das mit innerer Aufrichtgkeit getan wird, hat man als Feedback sozusagen tierische Akzeptanz gewonnen.
    So.

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