Köln für Nordlichter und andere Ortsunkundige

Joachim hatte auf Twitter ne Frage und regte an, dass die hier behandelt werden könnte. Gelabers über Ausflugsziele passt ja auch irgendwie an die Bar. Vielleicht machen wir ja eine Serie draus.

jhermesjhermes
Ja, Joachim, da sprichst du wohl mich an. Für einen, der eigentlich sein ganzes Leben hier im Dunstkreis verbracht hat, ist die Frage gar nicht so einfach zu beantworten. Ich fange am besten mal damit an, dass Köln aus der Nähe betrachtet keine besondere Schönheit ist. Das liegt daran, dass die Stadt im letzten Krieg für alliierte Bomber relativ einfach erreicht werden konnte und hernach beim Aufbau jede Hilfe willkommen war, so dass eben fast jeder bauen durfte, wie ihm das gerade in den Sinn kam. Resultat sind eine Menge Kacheln allerorten.

Vielleicht ist es deshalb eine gute Idee, sich das ganze erst einmal von weiter weg und oben anzuschauen. Vom Südturm des Domes aus hat man keine besonders gute Sicht (dafür darf man eine Menge ausgetretener Wendeltreppen steigen), hier bieten sich eher der LVR-Turm auf der Schäl Sick (der falschen Rheinseite, drüben in Deutz) oder der Mediapark-Turm an. In Letzteren muss man allerdings ein Essen zu sich nehmen (Restaurant Osman 30), das ich bei meinen beiden Besuchen aber schmackhaft und nicht zu teuer fand. Alternativ ragt direkt hinter dem Mediapark direkt der höchste der Kölner Trümmerberge, der Herkulesberg auf, zu dem man über eine Fußgängerbrücke gelangt, wo man meines Wissens den schönsten Blick über Köln vom Westen her hat.

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Bild: Raumhafen / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Den Dom hast du ja wahrscheinlich sowieso auf dem Plan, da muss ich dann auch nichts mehr drüber verlieren; Dierk hat deine Aufmerksamkeit ja auch schon auf die “Gottlose Kunst” (O-Ton Kadinal Meissner), dem Fenster von Richter auf der Südseite hingewiesen. Als Preis dafür, dass die Hohenzollern den Dom fertig gebaut haben, forderten sie übrigens, dass die nach ihnen benannte Eisenbahn-Brücke exakt auf den Domchor zulaufen sollte. Das hatte zur Folge, dass der Bahnhof direkt an den Dom herangesflanscht wurde und die gewaltigen Gleisaufbauten quer durch die historische Altstadt laufen. Dadurch wurden zwei Viertel (der Eigelstein und das meine Kunibertsviertel) von der restlichen Innenstadt abgetrennt. Der Traum von der autogerechten Stadt in der Nachkriegszeit schlug dann weitere Schneisen in die Stadt, die vorher als so gut wie undurchquerbar gegolten hatte.

Wie kleingassig Köln früher war, kann man an einem hübschen Modell im Stadtmuseum sehen, das sich – wie ich meine – auch aus anderen Gründen für einen Besuch anbietet. Das berühmte Römisch-Germanische Museum finde ich persönlich ein wenig langweilig, besser gefallen mir die beiden Kunstmuseen Wallraf-Richartz- (13. Jhdt – Anfang 20.) sowie das Ludwig-Museum (moderne Kunst). Sehr neu und mit innovativer Ausstellung kommt das Rautenstrauch-Joest Museum daher, das sich den Kulturen der Welt widmet.

Wie Hamburg (Elbphilharmonie) und Berlin (BER) hat Köln hat natürlich auch ein Großprojekt, in das eine Menge Geld und als Zugabe auch das Stadtarchiv versenkt wurden – die Nord-Süd-U-Bahn (ich bin schon länger nicht mehr an der Wunde am Waidmarkt vorbeigefahren und weiß nicht genau, was vom Desaster man dort noch sehen kann). Du machtest auf Twitter ja den Witz, Köln versuche womöglich, sich vollständig unter die Erdoberfläche zu befördern. Ich konterte damit, dass dies schwierig zu bewerkstelligen sei, da sich dort schon eine Stadt befinde. Wo auch immer Löcher gebuddelt werden, erst einmal rückt ein Trupp von Archäologen an und versucht, die Reste von bis zu mehr als 2000 Jahre alter Bausubstanz zu retten. Direkt am Rathausplatz (übrigens die einzige bisher in Betrieb gegangene Nord-Süd-Bahn-Station) kann man das in der sogenannten Archäologischen Zone beobachten. Nebenan kann man sich in einer riesigen, beeindruckenden Ausschachtung den Palast des römischen Statthalters (das Prätorium) anschauen. So unansehnlich Köln über der Erdoberfläche auch mitunter sein mag, unterirdisch hat es einiges zu bieten.

Nach dem Krieg war aber auch nicht alles schlecht, für einen Teil des Aufbaus war ja Wilhelm Riphahn zuständig, der Köln eine Ost-West-Achse und eine Reihe beachtenswerter Gebäude schenkte. Leider sind Oper und Schauspielhaus gerade im Umbau, zu sehen gibt es deswegen vor allem die Bastei am nördlichen Rheinufer, die sich auch als Startpunkt für einen ausgiebigen Rheinspaziergang anbietet. Richtung Norden kommt man zu Skulpturengarten und Flora (in beidem Eintritt frei) sowie Zoo und Rheinseilbahn (alles sehr lohnend bei wirklich gutem Wetter). Richtung Süden geht es durch den Rheingarten (da ist wenig mit Wiese) an Dom und Altstadt vorbei. Im weiteren Verlauf erstreckt sich hinter dem Schokoladenmuseum (das ich aus welchen Gründen auch immer nicht von innen kenne) ein ganz neuer Stadtteil im Rheinauhafen mit den Kranhäusern und dem umgebauten Siebengebirge, der sehenswert ist, aber auch ein wenig gruselig. Zu sehr wurde hier darauf geschaut, Leute mit Geld anzuziehen. Alternativ kann man die Strecke am Rhein auch mit dem Bötchen bewältigen, da kommt man dann (mit Sightseeing-Begleitung vom Band) auch ein Stück weiter, bis Rodenkirchen, wo man bei gutem Wetter ein wenig stranden kann.

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Bild © Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Natürlich fährt man aber vor allem nach Köln, um Kölsch zu trinken. Das kann man sich quasi überall in Kiosken besorgen (man munkelt, Köln sei die Stadt mit der höchsten Kioskdichte der Welt). Alternativ geht man in Kneipen oder – wenn der Sinn nach etwas anderem als Theken-gelagerten Frikadellen steht – in Brauhäuser. Die halbe Welt macht sich ja lustig über die angeblich zu kleinen Gläser, in denen das Kölsch serviert wird. Da sieht man hat, dass diese Hälfte offenbar nicht weiß, dass man sofort nach dem Austrinken ein neues Glas mit frisch Gezapftem auf den Tisch bekommt. Das erledigt in Köln der Köbes und man sollte sich darauf eingestellt haben, dass Ruppigkeit zum guten Ton gehört. Sonst erschrickt man vielleicht, weil man eigentlich Höflichkeit vom Personal erwartet. Bezüglich Brauhaus habe ich auch einen Geheimtipp, Joachim, den ich gerne mit dir aufsuchen werde. Aber vielleicht hast du vorher noch Fragen?  

Joachim
Fragen? Nein, aber dein Beitrag hat mich überzeugt, drei statt zwei Nächte in Köln zu bleiben. Dann werde ich sehen, ob mich die Stadt so überzeugt, wie sie dich zu überzeugen scheint. Vielen Dank für diesen Bericht.

jhermesjhermes
Fein, dann hat sich mein Geschreibsel ja schon gelohnt. Dann höre ich mal lieber auf, bevor du mit zu hohen Erwartungen anreist. Was ich vergessen habe, kann möglicherweise die ein oder andere Kommentatorin nachtragen. Ich freu mich jedenfalls auf dein Kommen, vielleicht schaffe ich es demnächst auch mal nach Hamburg, dann setzen wir uns wieder – mit vertauschten Rollen – an die Bar hier. Zum Schluss noch ein Tipp im Umgang mit den Einheimischen hier: Ein Wort zuviel gibt’s nicht. Darauf ein Kölsch! Oder ein paar halt.

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Ein Kommentar zu Köln für Nordlichter und andere Ortsunkundige

  1. Helen sagt:

    Hallo,

    also ich bin auch ein ganz großer Fan von Köln… Diese Stadt ist ein Lebensgefühl! Man kommt auch gar nicht auf schlechte Gedanken… finde ich.

    Gruß
    Helen von Segway Köln

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