Blogs in Zeitungen

dahlem
Ihr hab es sicher gehört, “Planckton” ist Wissenschaftsblog des Jahres” geworden. Sie sind zu beglückwünschen. Ich kenne Sibylle Anderl, eine der Autorinnen, ein wenig und über Sibylle kam ich via Twitter (@sianderl) auf den am Debattiertisch angesprochenen Beitrag im Wissenschaftsblog “Life and Physics” vom “The Guardian”. Zwei herausragende Wissenschaftsblogs werden von zwei herausragenden Zeitungen betreut. Zufall?

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Ach, das darf man nicht überbewerten. Ich bin skeptisch, wie es um die konkrete “Betreuung” durch die Zeitungen steht. Zu Embedded Blogs gab’s voriges Jahr mal eine Diskussion. Beim derzeitigen Zeitungssterben bezweifle ich, dass das Einbetten eines Blogs in den Onlineauftritt einer Zeitung für die jeweilige Bloggerin langfristig sinnvoll ist.

 

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6 Kommentare zu Blogs in Zeitungen

  1. So, endlich jetzt auch angekommen am Kneipentresen ;). Markus hatte mich gefragt, ob ich kurz erzählen möchte, wie ich zu Planckton gekommen bin. Gerne :)! Das war folgendermaßen: im Sommer 2010 war ich als Nachwuchsforscherin beim Nobelpreisträgertreffen in Lindau und hatte von dort in einem Tagebuch berichtet. Nachdem das Tagebuch ganz gut angekommen war, war Planckton dann für mich der nächste Schritt. Ich hatte grade meinen Magister in Philosophie fertig gemacht, und wollte gerne zu Themen im Bereich zwischen Philosophie und Physik schreiben, um die Abwesenheit philosophischer Themen in meinem Astrophysik-Alltag zu kompensieren. Das passte ziemlich gut zur (damals noch eher theoretisch angedachten) interdisziplinären Ausrichtung von Planckton. Die resultierende Reihe (“Kritik der reinen Physik”) wurde viel gelesen, und ich konnte mich als Planckton-Autorin fest etablieren. Inzwischen schreibe ich auch hin und wieder für die Beilage, aber tatsächlich macht Bloggen mir mehr Spaß.

    Bezüglich Autorenauswahl: mittlerweile schreiben nur noch NuW-Autoren für Planckton und das Blog ist als Sprachrohr für “Natur und Wissenschaft” gedacht. In Bezug auf Themen gibt es relativ wenig Überschneidungen zwischen den Autoren. Ich habe bei der Themenwahl und der konkreten Ausführung völlige Freiheit (wie man an der Varianz der Texte vermutlich auch sieht). Allerdings gibt es bei unseren Lesern ziemlich konkrete Erwartungen an uns, die sich relativ genau an den Klickzahlen ablesen lassen. Aber das ist wahrscheinlich nicht anders als bei anderen Blogs…

    Weiter viel Erfolg mit Eurem Kneipenlog! Coole Idee – Kneipenfeeling auch in Arbeitsnächten am Laptop, welcher Wissenschaftler wünscht sich das nicht ;) !?

  2. @Mschfr sagt:

    Der Punkt ist eigentlich ein ganz anderer: Warum verstehen Zeitungen Blogs so absolut gar nicht? Einzig und alleine die FAZ hat es im deutschen Raum geschafft, Blogs sinnvoll zu nutzen. Es geht ja nicht darum, einfach ein paar Blogger anzuheuern, sondern das neue Medium zu nutzen. Ideal machen es etwa Augengeradeaus, das alles zum Thema Bundeswehr & Auslandseinsätze bündelt, das SWR-Blog “Terrorismus in Deutschland” oder das ehemalige FAZ-Blog zu Supermärkten, Netzpolitik.org, das Hitlerblog der taz und so weiter. Kontinuierliche Berichterstattung mit eigener Meinung zu einem klar umrissenen Themenfeld, in dem die jeweiligen Journalisten eh arbeiten. Eine Lokalzeitung könnte etwa über den Gemeinderat in Pusemuckel bloggen oder die Informationen über aktuelle Bauprojekte vor Ort bündeln. Das wäre wirklicher Mehrwert.

    • Erbloggtes Erbloggtes sagt:

      Da passt auch die von mir gern herangezogene Unterscheidung zwischen Lean-Back-Medien und Lean-Forward-Medien. Wer etwas über den Gemeinderat in Pusemuckel wissen will, wird sich auch vorbeugen, bei Google danach suchen oder gleich das Blog anklicken. Zeitungen denken offenbar öfter mal, dass ihre Leser bloße Konsumenten, Lean-Back-Nutzer, sind.

      • @Mschfr sagt:

        Zeitungen sind v.a. erstaunlich schlecht darin, ihre Informationen irgendwie zu erschließen. Hier in Freiburg ist z.B. die Badische Zeitung die Monopolzeitung. Die Lokalseite für Freiburg Stadt findest du hier:

        http://www.badische-zeitung.de/lokales/freiburg/

        Wie man unschwer erkennen kann, wird einfach alles von Gemeinderatsentscheidungen, Bauprojekten, der Fußball-Grundschulmeisterschaft, Raubüberfällen und der Wetterberichterstattung auf eine Seite gepackt. Eine Erschließung der Inhalte etwa über Tags oder weitere Kategorien findet nicht statt. Will ich etwa über Raubüberfälle recherchieren, wird es kompliziert. Es würde ca. 2 Minuten zusätzlichen Aufwand kosten, jedem Artikel zum Thema einen passenden Tag zu verpassen und mit einer Geokoordinate auf einer interaktiven Karte zu versammeln. Damit hätte man dann einen interessanten Mehrwert geschaffen, man könnte etwa Kriminalitätsschwerpunkte festmachen. Aus den mit “Bauprojekt” getaggten Artikel dann ein Blog zu stricken, ist auch nicht schwer.

        Ähnliches gilt für andere Medien – so gibt es auf SPON etwa eine Themensammlung zu Mali, es ist mir aber nicht möglich, nach weiteren Schlagworten zu filtern. Etwa Mali + Timbuktu, um alle Artikel über die Situation in Timbuktu zu sehen ohne etwa Artikel über die Diskussion über einen deutschen Einsatz.

        Blogs sind ja nur eine Möglichkeit, Content für den Leser zu erschließen.

  3. Panagrellus sagt:

    Kalt hier draussen. Aber interessant, was ihr da sagt. Gerade die Guardian Blogs lese ich schon gerne – man merkt, die suchen sich ihre Autoren gut aus.

    Hab ja selbst gerade erst angefangen zu bloggen und zwar ganz absichtlich auf einer selbstgebastelten Seite. Hat natürlich Nachteile: Zeitungen bringen Reichweite, Synergie, Fuss-in-der-Tür. Aber eigenes Ding machen ist doch spannender.

    Sind jetzt aber zwei Fragen: 1. Helfen Blogs der Zeitung, und 2. Helfen Zeitungen den Bloggern.
    Und was wollen eigentlich die Leser?

    • dahlem sagt:

      “… die suchen sich ihre Autoren gut aus.”

      Sobald man etwas gemeinsam unter einem Dach/Portal macht — wofür einiges spricht — ist das Auswählen ein für mich ungelöstes Problem.

      Zeitungen und Verlage können zentral entscheiden, gleichberechtigte Gemeinschaften laufen in die ein oder andere Gefahr sich gegenseitig zu blockieren oder zu verwässern. Manchmal geschieht auch beides.

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